Konzept

Pilot:  "Anflug Landebahn 22, zum Durchstarten und Aufsetzen."
Tower: "ich habe eine grosse Bitte: erst aufsetzen und dann durchstarten!"



Die Idee war da und der Entschluss zum Bau stand nun also fest. Bevor das Projekt in die Bauphase treten konnte, galt es sich noch über folgende Dinge einen Kopf zu machen:

1.)   Kostenrahmen?
2.)   Programmplattform?
3.)   Ein- oder Zweisitzer?
4.)   Fluggerät/-Typ?
5.)   Zeitrahmen?


1.) Der Kostenrahmen
Zunächst ging es darum, den ungefähren Kostenrahmen für das Projekt abzustecken. Grenzen beim Bau eines Flugsimulators werden letztendlich nur durch das Budget gesetzt. Nach oben hin ist quasi alles möglich. Wie bereits erwähnt, summierten sich bei etlichen Projekten die Kosten für das Home-Cockpit locker auf den Betrag, den andere Leute für die Anschaffung eines Kleinwagens hinblättern würden. Dafür erhält man dann aber auch einen Cockpit-Nachbau im Maßstab 1:1 nach dem Motto »as real as it gets«.

Mein Ziel war es, ein funktionsfähiges und »fliegbares« Home-Cockpit für unter 1.000,- Euro herzustellen. War das überhaupt möglich? Quasi eine »Low-Budget-Ausführung«.  Es sollte möglicht alles selbst gemacht sein. Alle Teile sollten aus gängigen Bezugsquellen stammen (Baumarkt, Conrad usw.). Auf speziell vorgefertigte Profi-Cockpit-Bauelemente wollte ich bewusst verzichten. Trotzdem sollten bei einem Flug in meinem zukünftigen Home-Cockpit alle Prozeduren, Aktionen, Manöver oder Operationen eines Düsenjets technisch ausführbar sein, und zwar, wie in einem realen Cockpit auch, ohne Maus oder PC-Tastatur.

Das Budget - 1.000,- Euro


Mir war klar, dass die größte Hürde bei dieser Zielsetzung die Grenze meines eigenen handwerklichen Geschicks sein würde, denn ich hatte nie eine handwerkliche Ausbildung genossen. Meine Fähigkeiten im Heimwerkerbereich waren – nett ausgedrückt – eher von rudimentärer Beschaffenheit. Außenstehende würden mich sicher ehrlicherweise wohl als handwerklichen »Grobmotoriker« bezeichnen. Mir war daher von vornherein völlig klar, dass bei meinem Projekt am Ende niemals ein hundertprozentig realistischer Cockpitnachbau herauskommen konnte. Trotzdem war ich aber schon jetzt gespannt, wie das Ergebnis des Projekts wohl aussehen würde…


 2.) Die Programmplattform

Nun galt es sich zu entscheiden, welche Flugsimulator Software zum Einsatz kommen sollte. Auf dem aktuellen Markt gibt es vier gängige Programme. Die beiden »Klassiker« von Microsoft, den MS Flightsimulator 2004 (auch bekannt als FS9), sowie die etwas neuere Version, den MS Flightsimulator X. Beide Programme, FS 2004 und FS X, werden mittlerweile von Microsoft nicht mehr supportet. Das brandneue Programm Microsoft Flight war zum Zeitpunkt der Entscheidungsfindung noch in der Programmierphase und selbst die Fertigstellung einer Testversion nicht absehbar. Als Alternative zu Microsoft standen damals noch das Programm X-Plane, sowie das Open-Source Projekt FlightGear zur Verfügung. Letztendlich brachten alle Reviews und das Durchforsten der vielen Fusi-Foren für mich keine tragfähige Grundlage für eine Entscheidung, so dass ich letztendlich alle Programme als Demoversionen ausgiebig selber testete.

Die Konkurrenten im Software-Test


Der MS Flightsimulator X verfügte über eine wirklich »hübsche« Grafik, dafür hatte man aber den extremen »Hardware-Hunger« des Programms ausreichend zu stillen. Bei voll hochgefahrenen Grafikoptionen wurde mein bestehendes System überfordert, was mich dazu gezwungen hätte, meinen PC aufzurüsten. Bei den Programmen X-Plane und FlightGear stimmte zwar die Richtung, letzten Endes schieden aber beide durch ihre völlig chaotische Benutzeroberfläche aus dem Rennen aus. Sie waren wirklich sehr unübersichtlich und umständlicher in der Bedienung. Außerdem standen für die Programme kaum professionelle Addons zur Verfügung. Nach meinem Empfinden waren beide Programme noch nicht wirklich ausgereift. Aber wie bei so vielen Dingen, war das Ganze sicherlich auch Geschmackssache.

Das Programm MS Flightsimulator 2004 konnte sich im Endeffekt durchsetzen. Es lieferte im Zusammenspiel mit der mit zur Verfügung stehenden Hardware einfach die überzeugendsten Ergebnisse. Das bewährte Programm würde eine zuverlässige, zukünftige Softwareplattform bieten. Außerdem standen für das Programm unzählige Add-Ons zu Verfügung, davon viele sogar kostenlos. Damit ließ sich aus dem relativ schlichten Grundprogramm ein ansprechendes, leistungsfähiges Softwarepaket schnüren…


3.) Ein- oder Zweisitzer?

Ein 1:1. Cockpit-Nachbau hat von seinen räumlichen Ausmaßen her, schon einen recht erheblichen Platzbedarf. Für mich stellte sich daher die Frage: „Muss es wirklich ein »Voll-Cockpit sein«? - wäre nicht auch ein Einsitzer ausreichend?” In meiner Umgebung gab es kaum Bekannte die mein komisches Hobby teilten. Ich ging daher davon aus, dass ich wohl zu 98% der Zeit allein in meinem Cockpit sitzen würde, was für ein »Halbcockpit« sprach. Andererseits berichteten viele Cockpit-Profis, dass ein echtes Düsenjet-Cockpit-Feeling, wohl erst in einem »Vollcockpit« aufkommen würde. Ich entschied mich zunächst mit einem Einsitzer zu beginnen. Das Homecockpit sollte ohnehin in erweiterungsfähiger, modularer Bauweise entstehen, so dass man im Zweifelsfall das Cockpit auch schnell und unkompliziert an einem anderen Ort aufstellen könnte. Somit hätte ich dann auch immer noch die Möglichkeit, die Seite des Co-Piloten als einen eventuellen »Anbau« in einem späteren Projektabschnitt zu realisieren…

Ein Airbus A 320-200


4.) Das Fluggerät / Der Flugzeugtyp

Welcher Düsenjet soll’s denn nun bitte sein?“ Boeing oder Airbus? Eine Glaubensfrage! Die meisten Cockpit-Nachbauten die man im www finden konnte, bildeten eine Boeing ab. Das waren in der Regel beeindruckende Cockpits mit einer Vielzahl von Funktionen. Für eine Boeing gab es außerdem den größten Markt an vorgefertigten Profi-Cockpit-Bauelementen sowie Zubehör. Hierfür wäre einfach alles zu haben gewesen.

Ein Airbus-Cockpit abzubilden, wäre technisch nicht ganz so aufwendig zu realisieren. Ich hatte vor, das gesamte Homecockpit, wenn irgendwie möglich, nur über nur einen PC laufen zu lassen. Dies sprach auf jedem Fall für einen Airbus, da sich bei einer Boeing die vielen verschiedenen Anzeigen im Cockpit meist nur durch Zusatzmodule steuern ließen, welche noch hätten beschafft werden müssen. Mit dem Layout eines Airbus- Cockpits konnte man zudem leicht eine Reihe von verschiedenen Flugzeugen mit nur einem Cockpit fliegen. Die A318, A319, A320, A321, A330 oder sogar A340 teilen sich eine fast identische Cockpit-Konfiguration. Außerdem war man ja schließlich auch Europäer und was liegt da näher, als sich für ein europäisches Qualitätsprodukt zu entscheiden. Weiterhin störte mich bei einer Boeing das typische »Steuerhorn«, das an das Lenkrad eine Autos erinnerte. Ein Airbus aber, wurde zukunftsweisend mit einem smarten sog. Sidestick (Joystick) gelenkt. Nun gut – es wird also ein Airbus!

Nun musste auch noch eine gute Airbus-Software her, da der MS Flightsimulator 2004 nicht einmal über ein solches Fluggerät verfügte. Hier war die Entscheidung schnell getroffen. Streng genommen gibt es auf den ganzen Softwaremarkt für Airbus-Add-Ons nur ein einziges wirklich gutes Programm und zwar den Wilco-Airbus der Firma Feelthere. Da gab es für mich keine zwei Meinungen. Ich hatte dieses Add-On bereits in meinem Praxistests kennen und lieben gelernt. Nachdem nun auch diese Entscheidung getroffen war, konnte es nun eigentlich fast losgehen…

Wilco Airbus Vol.1 Evolution von Feelthere


5.) Der Zeitrahmen

Bei vielen »Cockpit-Bauern« zog sich ihr Projekt über viele Jahre hin. Hier war offenbar wie so oft, der Weg das Ziel. Da ich eher zu der ungeduldigen Art Menschen gehöre, setzte ich mir zwar kein Zeitlimit, jedoch nahm ich mir vor, mich zunächst nicht an Kleinigkeiten und Details aufzuhalten, sondern in naher Zukunft zumindest ein »flugfähiges« Zwischenergebnis zu haben. Überhaupt sollte während der Projektphase auch immer noch genug Zeit für ein paar schöne Flüge sein…



1 Kommentar:

  1. Hallo Jörg,
    dein Ansatz gefällt mir gut!Besonders hat mich der Vergleich der Basis-SW berührt, weil ich in der gleichen Situation gewesen bin und ebenfalls nach ausführlichem Test beim FS9 (wieder) gelandet bin. X-Plane ist eine einzige Katastrophe; zudem gibts kaum anständige Flugplätze...und FSX ist schon die Vorstufe zum MSFlight (also mehr für Spieler als für Flieger); für HomeCockpit kaum zu gebrauchen (Sichten etc.).
    Gruß,
    Willi (ich fand dich über flugsimulator.de)

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