Die Idee

Tower: "Sind sie ein Airbus 320 oder 340?"
Pilot:   "Ein A 340 natürlich!"
           Tower: "Würden Sie dann bitte vor dem Start 
                        auch die anderen beiden Triebwerke anlassen?"



Ich kann gar nicht mehr genau sagen, wann ich mit dem »Flugsimulator-Virus« infiziert wurde. Den Anfang meiner virtuellen Fliegerei markierte jedenfalls der Kauf eines TopGun-Afterburner Joysticks vor ungefähr 8 Jahren.

Ein TopGun Afterburner von Thrustmaster


In unserer kleinen »PC-Gaming-Communuty«, zu der sich einige Arbeitskollegen zusammengefunden hatten, war gerade das PC-Spiel Battlefield angesagt. Um uns hier vor den anderen Mitspielern einen kleinen Vorteil zu erkaufen, hatten einer meiner Kollegen und ich, uns diese tollen TopGun-Flightsticks bei Alternate für ca. 50,- Euro bestellt. Die Dinger lagen einfach toll in der Hand! Neben diversen belegbaren Buttons verfügten die Flightsticks außerdem noch über einen separaten Schubregler. Damit machte das Fliegen bei Battlefield wirklich extrem Laune! Der Kollege, der sich mit mir den TopGun-Afterburner Joystick zugelegt hatte, war nicht nur ein genialer PC-Gamer, sondern hatte nebenbei auch noch eine PPL-Lizenz (engl. Private Pilot Licence) in den USA erworben - hatte also einen »echten« Flugschein. So kam es neben der PC-Spielerei zwischen uns zu vielen Gesprächen über das Thema der Fliegerei. Irgendwann geriet Battlefield jedoch in Vergessenheit – es gab ja viele andere neue PC-Games - und der TopGun-Joystick trat einen letzten Flug »in die Ecke« an, wo er erst einmal für ein paar Jahre zum Liegen kommen sollte.

Einige Jahre später rief mich dann eines Tages ein anderer Kollege aus unserem »Gaming-Circle« zuhause an. Neben den aktuellen Neuigkeiten aus der Spiele-Szene, erzählte er mir irgendetwas von IVAO, einer Online-Flieger-Community, dass er dort mit dem neusten Fluggerät von Airbus fliegen würde, er schon diverse Prüfungen – unter anderem sogar die CPL (Commercial Pilot Licence) – bei nahezu realen Bedingungen abgelegt habe, stundenlang in Echtzeit über den Atlantik in die USA gejettet sei usw. usw. Für mich klangen seine Berichte über das Onlinefliegen nicht gerade besonders spannend oder aufregend, aber irgendwie schaffte er es dann doch, mich zu überzeugen, sodass ich mir irgendwo auf einem Flohmarkt für ein paar Euro eine CD vom MS-Flight-Simulator 2004 „The Century of Flight“ zulegte

Der gute "alte" FS 2004


Der Frust war natürlich vorprogrammiert. Hier funktionierte >CD einlegen >Spiel installieren >losballern wie bei vielen anderen PC-Spielen einfach nicht. Nach einem »Hilferuf« meinerseits, gab mir der besagte Kollege dann schlussendlich eine telefonische Kurzeinweisung in das Programm und mit seiner Hilfe gelang es mir dann tatsächlich irgendwann eine Boeing 737 zum Abheben zu bringen und einen zuvor ins GPS-System eingegebenen »Flugplan« abzufliegen. Weiteres bekam ich aber einfach nicht in den Griff. Schnell wurde mir klar, ohne eine zusätzliche Aneignung von (Fach-)Wissen, war hier nichts zu bewerkstelligen. Dazu hatte ich aber weder die Lust noch die Zeit. Trotzdem ließ mich die Sache nicht mehr los, mein Ehrgeiz hatte mich gepackt. Also begann ich zunächst, mir die vielen verschiedenen Video-Tutorials zum Thema MS-Flight-Simulator bei youtube anzusehen. Zurechtfinden im Programm, Instrumentenkunde, Wetter, Flugplanung, FMC, Start, ILS und VRF-Regeln, Landung usw. Die Ressourcen im Netz waren schier unerschöpflich. Diverse Foren, youtube, private Internetauftritte oder andere Webseiten der Flugsimulator-Community wurden von mir bedingungslos angezapft. So tastete ich mich langsam in dem Thema vor, natürlich nicht ohne das dort gelernte sofort am heimischen PC in der »Praxis« auszuprobieren.

Weshalb mich das virtuelle Fliegen eines Düsenjets so sehr in den Bann zog, vermag ich, auch heute, immer noch nicht explizit zu erklären. Bis dato war ich, im realen Leben, nicht einmal ein »Gerneflieger«. Ich litt zwar nicht unter Flugangst, aber während unserer Urlaubsflüge hatte ich dennoch immer ein mulmiges Gefühl in der Magengegend. Ich fühlte mich in den »Urlaubsbombern« stets eingepfercht, beengt und blickte mit Misstrauen auf den riesigen, tonnenschweren Stahlkoloss, voll getankt mit tausenden Litern von Kerosin. Mit diesem monströsen Teil, sollte ein mir völlig unbekannter Mensch, von dem ich weder wusste wie vertrauenswürdig oder gewissenhaft, noch wie pflichtbewusst er war, in tausenden Metern Höhe, uns mittels eines winzigen Joysticks durch die Lüfte kutschieren? Bei jedem realen Flug machte sich bei mir daher immer eine Mischung aus Besorgnis, Beklemmung aber eben auch Faszination breit. Ja, da war sie, die Faszination, zwar noch behaftet mit einem komischen Beigeschmack, aber sie war da!

Im Laufe der folgenden, monatelangen Internetstudien zum Thema Fliegen, stieß ich natürlich auch immer wieder auf Webseiten oder Videos, die verschiedene Homecockpits vorstellten. „So ein Teil wäre natürlich der absolute Knaller“, dachte ich mir, des Klickens mit der Maus während des Online-Fliegens zwischenzeitlich bereits überdrüssig. Platz wäre ja im Keller ausreichend vorhanden, jedoch die von den einschlägigen Cockpitbauern veranschlagten, Kosten schreckten mich zunächst ab. „Unter 10.000,- Euro geht da nichts“, war meistens die übereinstimmende Aussage der Homecockpit-Profis. Nichtsdestotrotz: Wieder und wieder schaute ich mir die tollen Videos der Hobbypiloten an, bis ich auf die Videos von Nigel stieß.





Nigel Doyle lieferte auf seiner Webseite http://shamrock075.webs.com den Beweis, dass es eben auch anders geht, als lediglich (schweine-)teure Nachbauten von Originalteilen bei den wenigen, einschlägigen Cockpitherstellern zu kaufen, diese in vorgefertigte Rahmen zu montieren und dann letztendlich nur noch mit einem Heimnetzwerk von Hochleistungs-PCs per USB-Kabel zu verbinden. Er zeigte der Flusi-Community, dass es keine große Leistung war, mit einigen Tausendern in einen Laden zu marschieren und zu sagen: „10.000,- Euro?? - O.K. -  Bitte liefern Sie dort an, ich zahle bar“. Bei Nigel war alles Handgemacht, vieles war improvisieret, nicht immer war alles perfekt oder optisch auf höchstem Niveau. All die kleinen Unzulänglichkeiten machte Nigel jedoch mit seinem ungeheuren Einfalls- und Erfindungsreichtum, seiner Kreativität und seiner sichtbaren Begeisterung, sowie der Liebe zur Sache wett. Seine Inspiration und Motivation und sein Leitmotiv bei seinem Homecockpit-Projekt waren eine erfrischende Abwechslung zum sonst auffindbaren Einheitsbrei. Diese sympathische Herangehensweise war dann schließlich auch für mich der ausschlaggebende Impuls, es einfach auch einmal mit dem Bau eines Flugzeugcockpits im heimischen Keller zu versuchen. Warum denn auch nicht. Es ist schließlich nie zu spät für eine glückliche Kindheit :-))



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